Gestaltungspsychologische Grundlagen visueller Kommunikation

Seid gegrüßt, liebe Leute.

Da wir so langsam mit unseren eigenen Datenjournalismus-Projekten beginnen, wollten wir Euch nochmals einen kurzen Überblick über die gestaltungspsychologischen Grundlagen der visuellen Kommunikation verschaffen, damit ihr für Eure Projekte vorbereitet seid.

RÄUMLICHKEIT

Raum wird definiert durch Überschneidungen und schräge Linien (perspektivische Fluchten)

  • beim Sehen von Formen versucht das Gehirn immer, sie in einen räumlichen   Zusammenhang einzuordnen
  • zweidimensionale Abbildungen werden dreidimensional erlebt

Faktoren, die eine räumliche Wirkung entstehen lassen, sind:

  • Größenunterschiede
  • Oben-Unten
  • Hell-Dunkel
  • Farben

VISUELLE MERKMALE

Jedes Objekt wird anhand visueller Merkmale wahrgenommen und identifiziert:

  • Form
  • Farbe
  • Helligkeit
  • Größe
  • Richtung
  • Textur
  • Anordnung
  • Tiefe
  • Bewegung

Das Gehirn ergänzt fehlende Teile zum Gesehenen.

Durch Abstraktion/Reduktion wird der Sehend aktiv und muss im Kopf ergänzen, gesehenes wirkt so spannender

LESERICHTUNG

Wir betrachten Bilder meistens in unserer Leserichtung von links nach rechts

  • Linien und Achsen in dieser Richtung wirken positiv, aufsteigend und werden als Vorwärtsbewegung empfunden; umgekehrt negativ und als Rückwärtsbewegung
  • oft in Logos etc verwendet
  • waagerechte/senkrechte Linien und Achsen konstruieren den Raum in dem wir sehen und erleichtern die Orientierung
  • Unruhe entsteht wenn die Achsen nicht laufen wie wir es gewohnt sind

SYMMETRIE

  • steht für Ausgewogenheit, Gleichgewicht, Stabilität
  • wirkt sympathischer als asymmetrische Formen
  • in der Natur kommen fast alle Formen symmetrisch vor
  • symmetrische Formen sind leichter einprägsam
  • an der senkrechten Achse symmetrische Elemente sind einprägsamer als an der waagerechten → vertikal suggeriert Stabilität und wirkt positiver

GESTALTUNGSGESETZE

  • Gesetz der Einfachheit
  • Gesetz der Nähe
  • Gesetz der Ähnlichkeit/Gleichheit
  • Gesetz der Geschlossenheit
  • Gesetz der Erfahrung
  • Gesetz der Konstanz
  • Gesetz der Figur-Grund-Trennung

WEITERE GESTALTUNGSAPEKTE

Figur-Grund-Kontrast

  • Objekte werden immer mit dem dahinter befindlichen Raum wahrgenommen
  • Beispiel: Rubinsche Vase

Ausgewogenheit (das Gleichgewicht der Elemente im Bild)

  • wirkt ästhetisch und angenehm
  • Goldener Schnitt: Das Teilungsverhältnis von 3:5 wirkt besonders ausgewogen und harmonisch
  • Ungleichgewicht erzeugt Spannung

Licht

  • ohne Licht ist keine Wahrnehmung möglich
  • Licht in Bildern meist von links oben kommend
  • → wirkt sympathisch und natürlich

KOMPOSITION

Format

  • Querformat wirkt ruhig und stabil
  • Hochformat wirkt dynamisch und aktiv

Diagonalen

  • Diagonalen wirken als Leitlinien für das Auge
  • links oben nach rechts unten wirkt passiv,
  • links unten nach rechts oben wirkt aktiv

Form

  • runde Formen: weich, elegant, weiblich
  • kantige/spitze Formen: hart, laut, aggressiv

Anordnung

  • Objekte oben wirken leicht,
  • unten schwer und bedeutsam

KONTRASTE

Kontraste erzeugen Spannung im Bild

  • Farb-an-sich-Kontrast
  • Hell-Dunkel-Kontrast
  • Komplementär-Kontrast
  • Simultan-Kontrast
  • Warm-Kalt-Kontrast
  • Qualitätskontrast
  • Quantitätskontrast

FARBEN

gelb:dynamisch, wandlungsfähig, extrovertiert

grün: realistisch, naturverbunden, lebensfroh

türkis: abwartend, verteidigend

cyan: passiv, konzentriert, pflichtbewusst

violett:statisch, beharrend, introvertiert

magenta:idealistisch, transzendent, theoretisch

rot: energetisch, erobernd, tatkräftig

braun:zurückgezogen, behaglich

grau: gleichgültig, versteckt, unbeteiligt

weiß:illusionär, realitätsfern

schwarz: pessimistisch, hoffnungslos, zwanghaft

WAHRNEHMUNG

Allgemeines über die Gestaltungspsychologie

  • seit Beginn des 20. Jahrhunderts
  • beschäftigt sich mit den allgemeinen Zusammenhängen und Gesetzmäßigkeiten von Gestaltung und Erleben
  • Wirklichkeit ist aus sinnvollen Teilen aufgebaut und natürliche Einheiten haben ihre eigene Struktur
  • Wahrnehmung der Umwelt erfolgt durch Wahrnehmung von Formen

Schema-Theorie (Jean Piaget)

  • beschäftigt sich mit dem Verhältnis zwischen Sehen und Denken
  • sind bestimmte geistige Formen der Wahrnehmungen; Erwartungen / Vorstellungen;  ≠ Vorurteil, da wertneutral
  • von Geburt an vorhanden, entwickelt sich im Laufe des Lebens weiter
  • Schemata verhindern die eine 1-zu-1-Abbildung der Realität und setzten einzelne Elemente in Beziehung miteinander → Auseinandersetzung mit der Realität
  • Vier Funktionen:
    • Informationsselektion
    • Informationsverarbeitung/ -einordnung/ -zuordnung
    • Füllen von Informationslücken durch Vorwissen
    • Lösen von Konfliktsituationen durch Bereitstellung von möglichen Szenarien und Problemlösungen
    • → Nur durch Schemata kann Informationsflut sinnvoll verarbeitet werden

Framing-Ansatz

  • Frames = Interpretationsmuster (umgspr. Kästchendenken)
  • geben dem Rezipienten einen Rahmen vor, um die wichtigen Informationen zu selektieren und verarbeiten zu können durch Attribuierung und Akzentuierung bestimmter Merkmale
  • Frames können positiv oder negativ sein
  • Beim Rezipienten entwickeln sich darauf kognitive Strukturen, die bei ähnlichen Frames angewandt werden

 

Hier haben wir für euch noch ein paar Blogs und Seiten gesammelt, die für euch vielleicht hilfreich sein könnten. Wenn ihr Lust habt könnt ihr ja mal reinnschauen!

http://www.kommdesign.de/index.htm

Sehr umfangreiche Seite mit eine ausführlichen Link- und Literatursammlung. Außerdem gibt es viele Fakten zu Gestaltungsgrundlagen. Die Seite bezieht sich zwar eher auf webdesign, aber vieles ist auch auf Infografiken anwendbar.

http://www.gestaltpsychologie.net

Hier sind die Gestaltungsgesetze noch mal kurz und knapp und mit Bildbeispielen erklärt.

http://www.designtagebuch.de

Guter und sehr bekannter Designblog, zwar weniger Infos zu Gestaltungspsychologie aber dafür immer Aktuelles, schöne Werbekampagnen etc. Gut wenn man mal nach Inspiration sucht und auch sonst sehr lesenswert!

http://louisem.com/color-psychology-brand-colors/

Noch mal was zu Farbwirkungen und der Verwendung von Farben in Logos, auch ganz interessant.

http://infographicsmania.com

Zu guter letzt noch eine Seite auf der ihr sehr viele grafisch schön gestaltete  Infografiken findet!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s